Baden-Württembergische Jugendmeisterschaften und Kids-Cup 30.09.2007

Jugendcup 2007 und tolles Rahmenprogramm

Am 30. September zeigten sich die besten Jugendlichen aus dem "Ländle" und kämpften um die Meisterschaft im Sportklettern in Stuttgart.


Sportklettern ist die bekannteste Disziplin des Kletterns und seit vielen Jahren etabliert. Geklettert wurde mit Seil an den bis zu 16 m hohen und überhängen Wettkampfwänden, wobei vor allem Kraft, Ausdauer sowie technische und taktische Fähigkeiten gefragt sind. Ziel beim Sportklettern ist es, eine definierte Route innerhalb eines festen Zeitlimits möglichst sturzfrei zu meistern, bzw. so hoch (weit) wie möglich zu kommen.

Plakat (413 KB) Jugend- und KidsCup. (Auf Anfrage gerne auch als druckoptimierte Version erhältlich.)

Bericht

Jugend- und KidsCup am 30.09.2007

„Was ist denn hier los?“ fragte ein sichtlich überraschter Alexander Hille, der schon sehr viel Wettkampferfahrung hat. Als er zur Registration in die Halle kam, war die Halle schon fast gefüllt. „Da ist ja mehr los als auf manchem Deutschlandcup“.
Gleich galt es früh am Morgen eine erste Herausforderung zu meistern, denn in verschlafenem Zustand musste die richtige Registration gefunden werden. Bei 65 Teilnehmer für den Jugendcup und weiteren 50 Starter für den Kids-Cup war es nicht so leicht den Überblick zu bewahren. Dank disziplinierter Teilnehmer und sehr engagierter Helfer ging aber alles reibungslos über die Bühne und so konnten beide Wettkämpfe zügig begonnen werden.

Beim Kids-Cup gab es für die Teilnehmer 10 „Probleme“ im Bouldern, Schwierigkeits- und Speedklettern zu lösen. Ziel des Wettkampfes war es, Kindern auf spielerische Art erste Wettkampferfahrung zu vermitteln. Die ersten beiden Boulderprobleme waren „klassische“ Klettereien an relativ guten Griffen und konnten von allen Teilnehmern gelöst werden. Boulder Nr. 3 wartete dann mit der ersten Überraschung auf. Auf der einen Seite des Boulderraums musste man hochklettern und sich dann mit Hilfe einer „Liane“ auf die andere Seite schwingen, dort wieder Griffe festhalten und einen anstrengenden Quergang durchs Dach meistern. Zuletzt musste noch in ein markiertes „Zielgebiet“ gesprungen werden um die volle Punktzahl zu erreichen. Die Kinder stellten sich sehr geschickt an und so konnten viele Teilnehmer auch diese Aufgabe lösen. Weiter ging es zu einem Gleichgewichtsquergang an Boulder 4, der zunächst an einer Reckstange endete. Auf diese musste man sich stellen um den Topgriff erreichen zu können. Hier waren wieder Geschick und etwas Mut gefragt und wieder konnten erfreulich viele Teilnehmer die volle Punktzahl erreichen. Boulder Nr. 5 war dann eine ganz harte Nuss. Nur wenige Teilnehmer erreichten die „Zone“ einen guten Griff auf „halber“ Strecke, aber das tat nach den Erfolgen der anderen Boulder der fantastischen Stimmung keinen Abbruch.
Beim Schwierigkeitsklettern gab es Routen in den Graden 4, 5+, 7+ und 8 wobei die Routen im oberen Teil deutlich „anzogen“ damit alle Teilnehmer zumindest einen Teil der Route klettern konnten. 2, 4, 6, 8, und 10 Punkte je nach Erreichen unterschiedlicher „Höhenzonen“ gab es für die Teilnehmer zu sammeln. Es war begeisternd wie die Kinder sich mühten und das Stuttgarter Publikum zeigte sich schon am Vormittag von seiner besten Seite. Die Halle war brechend voll und die Teilnehmer wurden teils frenetisch unterstützt.
Das „Schrauben“ der Boulder und Schwierigkeitsrouten war eine große Herausforderung, da in dieser Altersklasse die Körpergrößen und Leistungsfähigkeit sehr unterschiedlich ist. So sollte es für alle eine positive Erfahrung werden und den Besten trotzdem eine Herausforderung bieten. Frank Boettiger und sein Team haben diese Aufgabe mit Bravour gelöst und bekamen sehr viel Lob von den Eltern und Zuschauern.
Etwas leichter war es die Speedroute zu schrauben – aber schwer war es, diese möglichst schnell zu durchsteigen. Gut 6 Sekunden bis zur Glocke in 7 Meter Höhe brauchte Moritz Hans. Er nutzte den Heimvorteil und kam auf die Maximalpunktzahl von 100 Punkten, weil er neben der Bestzeit im Speed auch alle Boulderprobleme knacken konnte und auch im Schwierigkeitsklettern jeweils das Top erreichte. Bei den Mädchen siegten in den zwei Altersklassen Rica Naundorf und Pauline Wolf.
Teilnehmer T-Shirts wie auf den „großen“ Wettkämpfen, Urkunden und für jeden eine Tafel Schokolade – da kommt die Energie schnell zurück und so gab es unzählige Fragen, wann denn der nächste Kids-Cup stattfinden wird.

Zeitgleich mit dem Kids-Cup fand in der großen Halle die Qualifikation zum Jugendcup statt. Rekordverdächtige 65 Teilnehmer hatten sich eingefunden und zeigten, wie enorm sich das Wettkampfklettern entwickelt hat. Insgesamt 32 Finalisten mussten ermittelt werden und zum Erstaunen der Zuschauer mussten dazu schon in der Qualifikation Routen zwischen Schwierigkeitsgrad 7 und 9 gemeistert werden.

Im Anschluss an die Qualifikation gab es die Siegerehrung zum Kids-Cup und einen kleinen Workshop der Slackline-Profis von Slackline Tools aus Konstanz. Bei strahlendem Sonnenschein hatten sie in der Außenanlage einen beeindruckenden Slackline Park aufgebaut und viele der Zuschauer zum Mitmachen animiert. Die Routenbauer nutzten die Pause für die Vorbereitung der Finals.

Lokalmatadorin Sophia Porscha eröffnete das Finale mit einer fantastischen kämpferischen Leistung. Als sie einen Haken nicht einhängen konnte, entschied sie sich für die „Flucht nach oben“ – aber auch dort warteten keine besseren Griffe und so machte sie einen weiten Sturz. Da sie den Fuß hinter das Seil bekam, sah dieser zunächst schlimm aus, aber nach einigen Schrecksekunden war klar, dass nichts passiert war (sie erreichte mit dieser Leistung Rang 6). Die Routen waren sehr selektiv geschraubt und so erholte sich das Publikum schnell von dem Schreck und "trieb" die jungen Damen zu neuen Höhen. Topfavoritin Isabel Haag, die seit wenigen Wochen in Stuttgart wohnt, blieb es dann vorbehalten den Zuschauern zu zeigen, wie die Route ganz oben zu klettern ist – trotzdem konnte auch sie das Top der 8+/9- schweren Route nicht ganz erreichen.

Bei der Jugend B sahen die Finalisten „rot“. 9+ „warf“ das Team um Chefschrauber Daniel Hummel für die Route aus. Auch hier war ihnen wieder eine phantastische Route gelungen. Spektakuläre Bewegungen und oben ein „Ritt“ auf der Kante mit Doppel-Foothooks brachten die „ausverkaufte“ Halle (mehr Zuschauer hätten kaum Platz gehabt) zum "Kochen". Maxi Porscha nutzte dem Heimvorteil und legte eine Höhe vor, die von keinem der Finalisten überboten werden konnte. Nur beim letzten Starter, Sebastian Halenke musste er nochmals zittern. Im Vergleich zu den anderen Finalisten sehr langsam und kontrolliert kam er an der abschließenden Kante an, konnte aber den Haken nicht mehr einhängen. Er unternahm mehrere Versuche und verbrauchte dabei so viel Zeit, dass er letztlich an das Zeitlimit von 8:30 Minuten für den Durchstieg kam und der Schiedsrichter den Versuch abbrechen musste. So musste er sich trotz überragender physischer Konstitution nach dem Sieg in Tübingen diesmal mit Platz 2 zufrieden geben.
In der zweiten kurzen Umbaupause wurden die Slackline Profis nochmals aktiv und zeigten auf der 15 Meter hohen Kollektiv-Highline ihr ganzes Können. Seit es in Stuttgart eine Halle gibt, ist beim Wettkampf gutes Wetter und so gab es noch einmal einen Hauch „Sommerstimmung“ vor dem Höhepunkt des Nachmittags, dem Finale Jugend A und Junioren.

20 Meter lang, Schwierigkeitsgrad 10-, 12 Meter überhängend. Technische Daten einer Route, die allen Zuschauern schon bei der Besichtigung mächtigen Respekt einflössten. Die Jugend A begann zuerst und schnell wurde klar, dass die Schrauber Daniel Hummel, Damaris Knorr und Peter Würth ein echtes „Brett“ geschraubt hatten. Marcel Dippon kam in dieser Altersklasse am weitesten und erreichte mit einer guten kämpferischen und technisch sehr sauberen Leistung fast 2/3 Wandhöhe.
Jetzt lag es an den Junioren zu zeigen, dass auch diese Route zu bezwingen ist. Und die „Älteren“ zeigten gleich, dass Wettkampferfahrung und Taktik genauso wichtig wie körperliche Fitness ist. Schnell und Zielstrebig ging es nach oben und so legte Nico Schrag an seinem Geburtstag die „Latte“ noch ein ganzes Stück höher. Als vorletzter Starter ging Jan Ruh ins Rennen und wenn ihm nicht der Fuß von einem Tritt gerutscht wäre, hätte er sicher noch ein gutes Stück weiter klettern können. So blieb die Spannung bis zum letzten Starter, Stefan Brugger, erhalten. Sicher und konzentriert kletterte er nach oben. Kurz vor dem Top meisterte er unter dem tosenden Applaus des Publikums auch noch den spektakulären Sprung an den Balken und scheiterte nur um wenige Zentimeter an einer Topbegehung.

Weit über 100 Teilnehmer, ca. 500 Besucher, spannend geschraubte Routen und sehr engagierte Helfer. Logisch, dass der Veranstalter, die DAV-Sektionen Schwaben und Stuttgart, zufrieden mit der Veranstaltung war. Und die Teilnehmer waren es auch, denn neben den wertvollen Sachpreisen für Sieger und Platzierte war vor allem die gute Stimmung in Stuttgart beeindruckend und motivierend!
Vielen Dank an die Helfer, Teilnehmer und Sponsoren für einen Wettkampf, der sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Georg Hoffmann
Rocca GmbH
Betreibergesellschaft DAV-Kletterzentrum Stuttgart.

Ergebnisse

Sponsoren

Ganz herzlichen Dank den Sponsoren ohne deren Engagement diese Veranstaltung nicht möglich wäre.
Die Sponsoren der Baden-Württembergischen Meisterschaften:

 
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